News Livenet, 4.8.2009, Peter Schmid
Nationaler Gebetstag sucht Segensquellen
Hätte Gott nicht seine Hand über
die Schweiz gehalten, hätte sie nicht Bestand gehabt, in
keinem Jahrhundert. Dies machte der nationale Gebetstag am 1.
August in Thun bewusst. Abt Joseph Roduit erzählte von
der Abtei Saint-Maurice, wo seit bald 1500 Jahren ununterbrochen
fürs Land gebetet wird. Was Gott an Gutem, an Segen der
Schweiz und ihren Kantonen, den Gemeinschaften, Familien und
Kirchen geschenkt hat, soll freigelegt werden und durch Danken
und Bitten neu zum Tragen kommen.
Der Gebetstag 2009 findet auf einem Fussballplatz am Rande
Thuns statt, unter heisser Sommersonne, im Angesicht der Berner
Alpen, durchgehend zweisprachig. Schätzungsweise 4'000
Beterinnen und Beter aus allen Gegenden der Schweiz hören
Berichte und singen mit der Band von Sylvain Freymond, loben
und danken, bitten um Vergebung und Gottes Eingreifen, um Bewahrung
und geistliche Erneuerung im Land.
Geschichtsbewusst beten
Die Veranstalter haben in der Broschüre zum Gebetstag "Segensquellen"
in allen Kantonen der Schweiz beschrieben: Persönlichkeiten,
Ereignisse, Orte und Prägungen, durch die Gott in der Vergangenheit
Gutes, Aufbrüche und Segen schenkte. Diesen Segensquellen
gehen die Beter, die sich auf dem Rasen nach Kantonen gruppieren
können, in mehreren Schritten nach. In kleinen Gruppen
beten sie, dass der Allmächtige nochmals eingreift, rettet
und hilft. Dann segnen die kantonalen Gruppen einander gegenseitig.
Grosser Gott
Walter Bernhard, der mit mit Anne-Lise Sprunger durch den Gebetstag
führt, hat diese Hoffnung eingangs mit Worten des Propheten
Jesaja (Kapitel 57) begründet. Und die Grösse des
Schöpfers hervorgehoben: Gott hat das Geschick der Völker
in der Hand, die, so der Prophet, vor ihm wie ein Tropfen am
Eimer sind. Die Teilnehmenden, so Bernhard, können stellvertretend
für andere in den Riss treten - da wo die schützende
Mauer eine Bresche hat - und um Heil und Segen ringen. Über
der Versammlung steht die Zusage Gottes, dass er "Gnade
erweist tausenden (Generationen), die mich lieben und meine
Gebote halten" (2. Mose 20,6).
Mut für Familien
Christian und Fabienne Sollberger aus dem Berner Jura bringen
mit ihren vier Kindern auf der Bühne zum Ausdruck, dass
Gottes Verheissungen besonders für Familien gelten. Was
die Vorfahren mit Gott erlebten, gibt Mut. Es sei nicht einfach,
eine Familie mit Ausstrahlung zu sein in dieser Zeit, sagen
Sollbergers und unterstreichen mit einem Tanz, dass sie in den
Spuren ihrer täuferischen Ahnen Kraft und Hilfe von oben
erleben. In der folgenden Gebetszeit (die Betenden stellen sich
zu ‚erweiterten Familien-Kreisen' zusammen) werden auch
Anliegen der Ledigen aufgenommen: "Bittet nicht nur, dass
Gott uns heilt, sondern auch, dass er aus uns lebendige Zeugen
seiner heilenden Kraft macht."
Eidgenossen auf Abwegen
Der Aargauer Sozialunternehmer Hanspeter Lang deutet das für
die moderne Schweiz grundlegende Miteinander der Kantone als
"Wahrzeichen von Sicherheit, Gerechtigkeit, Frieden und
eine Segensquelle für andere Nationen". Er erwähnt
die Abwege, auf die die Eidgenossen in den Jahrhunderten nach
1291 gerieten; ihr Bundesgeflecht sei "stark von Machtinteressen
geprägt" gewesen. Der Bundesstaat von 1848 kam durch
harte Konfrontationen, bis hin zum Sonderbundskrieg, zustande.
"Mit der Hilfe unseres allmächtigen Gottes wurde aus
einer Interessengemeinschaft von Machtvertretern eine Nation
aus 26 Kantonen mit Menschen aus vier Sprachregionen."
Lobpreis seit 15 Jahrhunderten
Der Walliser Joseph Roduit, Abt von Saint-Maurice, schildert
die Bildung der thebäischen Legion aus koptischen Christen
in Ägypten um 290. Ins Wallis verlegt, weigerten sich die
Legionäre, Untertanen zu töten, die wegen ihres christlichen
Glaubens als Rebellen angesehen wurden. Nach der Überlieferung
machte ihr Kommandant Mauritius klar, die Männer hätten
den ersten Eid Gott geschworen; sie würden ihn brechen,
sollten sie gemäss dem zweiten Eid (dem Kaiser geschworen)
die Christen umbringen. Zur Strafe wurde die Legion zweimal
dezimiert und schliesslich - die Lebenden blieben standhaft
- ganz vernichtet.
Einige Generationen später, im Jahr 515, wurde im Gedenken
an die Märtyrer die Abtei Saint-Maurice gegründet.
Laut Abt Joseph wird seither an jedem Tag Gott gepriesen. "2015
wird die Abtei 1500 Jahre der ununterbrochenen Anbetung und
des Gebets für das Land feiern." Der Abt lädt
die Anwesenden zum Fest im Jahr 2015 ein - und erwähnt,
dass Ausländer am Anfang dieser Geschichte stehen. "Ein
offener Geist ist wichtig, damit wir die Gnade Gottes empfangen
können." Ein Zehntel der Kollekte, die für die
Deckung der Unkosten des Gebetstags gesammelt wird, geht in
eine Missionsarbeit der Mönche in Indien.
"Ohne Gott würde es die Schweiz
schon lange nicht mehr geben"
Beat Christen, Pionier des Gebets im Bundeshaus, unterstreicht,
dass die Schweiz nur eine Chance hat, wenn Gott sich zu ihr
stellt. "Es gab kein Jahrhundert der Schweizer Geschichte,
in dem das Fortbestehen der Eidgenossenschaft nicht an einem
Faden hing." Auch heute seien Leute in Verantwortung daran,
die Quellen zu entdecken. Hohe Beamte in verschiedenen Departements
des Bundes suchen Gottes Hilfe, sagt Beat Christen und ruft
die Christen auf, ihre geistliche Vollmacht wahrzunehmen und
betend Einfluss zu nehmen: "Wir sind die Erben des Vaters
- das müssen wir wieder entdecken. Meinem Vater gehört
die UBS." Ob Beterinnen und Beter bereit seien, auf Wegen
zu gehen, die nicht breit und eben seien? "Haben Sie für
die Blick-Redaktion, wenn Sie sich aufregten, gebetet?"
Segen für gelingendes Leben
"Gott hat immer wieder um dieses Land und seine Bevölkerung
geworben." Darauf hätten einfache Menschen und Verantwortungsträger
geantwortet und nach seinem Willen zu handeln versucht, sagt
Markus Schildknecht, Leiter des Netzwerks "Gebet für
die Schweiz". Der Segen, den die Schweiz über die
Jahrhunderte erfahren durfte, solle auch zum Segen für
andere Länder werden. "Es geht um das Zeugnis dieses
Segens - dem Segen der Gemeinschaft Gottes mit uns Menschen
und dass daraus ein gelingendes Leben als Einzelne und im ganzen
Volk und Land werden darf."
Falsche Fundamente erschüttert
In diesem Zusammenhang kommt Schildknecht auf die gesellschaftlichen
Probleme zu sprechen: "kaputte Ehen, zerstörte Familien,
eine massive Zunahme psychischer Leiden, eine hohe Selbstmordrate,
Gewalt um der Gewalt willen oder aus Spass an der Zerstörung,
Massenbesäufnisse, staatlich sanktionierte und geregelte
Abtreibungen und Suizidhilfen…" Gott
lasse es zu, so der Gebetsleiter, "dass die falschen Fundamente
zunehmend erschüttert werden, die Probleme in unserem Land
zunehmend ans Licht kommen". Dies solle den Schweizern
helfen, "das wahre Fundament, Jesus Christus zu erkennen
und sich neu darauf zu stellen." Gott wolle "nochmals
stark Seinen Geist über die Schweiz ausgiessen und viele
Menschen in die Nachfolge rufen." Walter Bernhard und die
welsche Koordinatorin Anne-Lise Sprunger leiten das Gebet für
die Gesellschaft.
Von Ausländern bereichert
Der aus Kamerun stammende Pfarrer Guillaume Ndam unterstreicht,
dass die Ausländer, über 20 Prozent der Wohnbevölkerung,
die postmoderne Schweiz bereichern. Die Vielfalt sei im Licht
der Schöpfung Gottes zu betrachten, sagt Ndam, ruft die
Bedürfnisse der Zugewanderten in Erinnerung und betet für
sie: "Vater im Himmel, wir erheben unsere Herzen zu dir.
Wir beten für die Länder, aus denen die Ausländer
kommen. Die meisten sind ohne Familie, einige arm, viele einsam.
Dass der Friede unter den Völkern eine Realität werden
möge."
Mit Gebet für Israel und die Krisenregion Naher Osten
und Infos geht der Gebetstag nach vier Uhr nachmittags zu Ende.
Nächstes Jahr wird zugunsten des Christustags (13. Juni)
auf den Anlass am 1. August verzichtet; das Gebetsnetzwerk will
das flächendeckende Gebet für die Schweiz (Fahnenträger
aus allen politischen Gemeinden, Christustag 2004) erneuern.